Tag Archive: society

Education for a new liberty

Aber es bleibt wahr, daß die Art und Weise, in der entwickelte Gesellschaften die geschaftliche Arbeitsteilung organi­siert haben, eine Reihe von Fragen offen läßt, die eine auf Melioration bedachte Gesellschaft beantworten muß, wenn sie sich ihres Namens würdig erweisen will: Wie ist es möglich, Menschen auf die übrigen Tätigkeiten ihrens Lebens in einer Umgebung vorzubereiten, die absichtlich von diesen Tätigkeiten abgesondert ist? Welche Chancen gibt es für diejenigen, die nach einer Zeit der Berufstätigkeit erneut etwas lernen wollen, neue Dinge oder mehr über die Gegen­stände ihrer ursprünglichen Ausbildung? Welchen vernünftigen Sinn kann es haben, einerseits die Arbeit der Men­schen übermäßig zu determinieren und anderersiets ihre Freizeit bewußt undeterminiert zu lassen? … Welchen Sinn hat es, Menschen, die viele Erfahrungen gesammelt haben, gesund sind und arbeiten wollen, in Pension zu schicken? Diese Fragen sind nicht neu; auch läßt sich auf alle durchaus eine Antwort geben. Aber ich meine, daß wir, wenn wir unser Leben bessern wollen, begreifen müssen, daß Bildung mehr ist als die Vorbereitung auf künftige Pflichten, Arbeit mehr als eine unangenehme Last, derer man sich so schnell wie möglich entledigen muß, und Freizeit mehr als eine residuale Zeit, um den Garten zu pflegen, an den Motorrädern der Freunde zu basteln, Fußball zu spielen, Musik zu hören, aber auch sich zu langweilen, sich zu betrinken, das eigene Leben zu zerstören und das von anderen. Die Re­konstruktion des sozialen Lebens der Menschen muß die Versteinerungen einer verfehlten Arbeitsteilung überwinden. Sie zielt darauf ab, die Einheit des menschlichen Lebens wiederherzustellen, oder vielleicht zum ersten Mal überhaupt herzustellen, so daß soziale Lebenschancen einen kontinuierlichen Prozeß menschlicher Tätigkeit versprechen, der in vielfältigen Dimensionen und Weisen seinen Ausdruck findet. Der erste Schritt auf diesem Wege liegt in der Schleifung der Wälle zwischen Bildung, Arbeit und Freizeit. …

Die zentrale Aufgabe der Bildung liegt indes nicht darin, Ersatzteile für den Wirtschaftsprozeß zu produzieren, sondern menschliche Fähigkeiten zu entfalten, indem sie für vielfältige Wahlmöglichkeiten geöffnet und nicht auf angebliche Anforderungen hin getrimmt werden. Darum sollte die Erziehung junger Menschen weit und nicht eng, allgemein und nicht spezialisiert und vor allem nicht zu lang sein. [93-4]

A source of possible criticism

Rationality, for Popper, is to be identified with openness to criticism; and each individual is to be valued a s a source of possible criticism. Objectivity, rather than being regarded as the attribute of the particular, wise individual is regarded as a social product – a product of critical discussion. [111]

The problem of unintended consequences

Eine praktisch verwertbare sozialtechnologische Analyse muß die Beschaffenheit der Ausgangssituation für politisches Handeln, zum Beispiel für die ins Auge gefaßte Gesetzgebung berücksichtigen. Und sie muß dabei auch der Tatsache Rechnung tragen, daß eine solche Gesetzgebung nur bestimmte – meist sehr eng umschriebene – Bestandteile der in­stitutionellen Konstellation in einer Weise ändern kann, die voraussehbare Auswirkungen in der erwünschten Richtung hat. [27]

Politics as a social-technological problem

An die Stelle einer Begründung oder Rechtfertigung im klassischen Sinne tritt hier die komparative Analyse alternativer Vorschläge für die Lösung der betreffenden Probleme auf der Grundlage regulativer Ideen, das heißt: bestimmter Wert­gesichtspunkte, die der Entscheidung – das heißt: der Selektion der im Sinne dieser Ideen besten Lösung – zugrunde­gelegt werden können. Das ordnungspolitische Problem – die Frage nach der Beschaffenheit einer adäquaten Sozial­ordnung – läßt sich unter diesen Voraussetzungen in ein sozialtechnologisches Problem verwandeln, wobei die betref­fen­den Wertgesichtspunkte für diese Formulierung hpothethisch vorausgesetzt werden, wie das ja auch bei der Ana­lyse der Erkenntnispraxis geschehen kann. Es läßt sich nämlich formulieren als Frage anch der Möglichkeit einer sozi­alen Ordnung, die bestimmten Anforderungen genügt, wobei dieser Anforderungen in den Kriterien (Leistungsmerk­malen) zum Ausdruck kommen, an denen sich die vergleichende Untersuchung orientiert. Da es bei solchen Verglei­chen nicht um logische, sondern um reale Möglichkeitne geht, müssen die in Betracht kommenden Gesetzmäßigkeiten berücksichtigt werden. Und da es im konkreten Fall um die jeweils historischen Möglichkeiten geht, das heißt um die Realisierbarkeit in einem bestimmten Raum-Zeit-Gebiet, müssen die in diesem Gebiet vorliegenden tatsächlichen Be­dingungen in die Analyse einbezogen werden.

Es ist selbstverständlich, daß auch die Anforderungen, die an eine adäquate Sozialordnung zu stellen sind, und die ihnen zugrundeliegenden Wertgesichtspunkte keineswegs der Diskussion zu entziehen sind. [24-5]

The invention of enemies

…modern totalitarianism appears to have imperialist tendencies. But this imperialism has no element of a tolerant uni­versalism, and the world-wide ambitions of the modern totalitarians are imposed upon them, as it were, against their will. Two factors are responsible for this. The first is the general tendency of all tyrannies to justify their existence by saving the state (or the people) from its enemies—a tendency which must lead, whenever the old enemies have been successfully subdued, to the creation or invention of new ones. [ch. 10, 199]

The continuing relevance of the Open Society

Vielleicht ist an diesen wenigen und sehr verkürzten wie pointierten Beispielen etwas deutlich geworden, dass Karl Popper in seiner Offenen Gesellschaft zeitlose Vorschläge für politische Reformen in Demokratien gemacht hat, die weiterhin große Aktualität haben. Die endgültige Zähmung der dunklen ökonomischen Dämonen, die Marx durch eine „soziale Revolution“ erreichen zu können glaubte, ist nach Popper nur in einer Demokratie möglich. Doch zur Erlan­gung dieser Erkenntnis müssen wir nach seiner Meinung einsehen, „dass die Kontrolle der physischen Macht und der physischen Ausbeutung das zentrale politische Problem ist und bleibt“. [258-9]

What democratic institutions may be expected to do

Seen in this light, the theory of democracy is not based upon the principle that the majority should rule; rather, the various equalitarian methods of democratic control, such as general elections and representative government, are to be considered as no more than well-tried and, in the presence of a widespread traditional distrust of tyranny, reason­ably effective institutional safeguards against tyranny, always open to improvement, and even providing methods for their own improvement.

He who accepts the principle of democracy in this sense is therefore not bound to look upon the result of a democratic vote as an authoritative expression of what is right. Although he will accept a decision of the majority, for the sake of making the democratic institutions work, he will feel free to combat it by democratic means, and to work for its revision. …

Institutions are like fortresses. They must we well designed and manned.

This distinction between the personal and the institutional element in a social situation is a point which is often missed by the critics of democracy. Most of them are dissatisfied with democratic institutions because they find that these do not necessarily prevent a state or a policy from falling short of some moral standards or of some political demands which may be urgent as well as admirable. But these critics misdirect their attacks; they do not understand what democratic institutions may be expected to do, and what the alternative to democratic institutions would be. Democracy (using this label in the sense suggested above) provides the institutional framework for the reform of polit­ical institutions. It makes possible the reform of institutions without using violence, and thereby the use of reason in the designing of new insti­tutions and the adjusting of old ones. It cannot provide reason. The question of the intellectual and moral standard of its citizens is to a large degree a personal problem. (The idea that this problem can be tackled, in turn, by an institutional eugenic and educational control is, I believe, mistaken; some reasons for my belief will be given below.) It is quite wrong to blame democracy for the political shortcomings of a democratic state. We should rather blame ourselves, that is to say, the citizens of the democratic state. In a non-democratic state, the only way to achieve reasonable reforms is by the violent overthrow of the government, and the introduction of a democratic framework. Those who criticize demo­cracy on any ‘moral’ grounds fail to distinguish between personal and institutional problems. It rests with us to improve matters. The democratic institutions cannot improve themselves. The problem of improving them is always a problem for persons rather than for institutions. But if we want improvements, we must make clear which institutions we want to improve. [ch. 7, 137-9]

The duties of a free press in an open society

Laws to safeguard democracy are still in a rather rudimentary state of development. Very much could and should be done. The freedom of the press, for instance, is demanded because of the aim that the public should be given correct information; but viewed from this standpoint, it is a very insufficient institutional guarantee that this aim will be achieved. What good newspapers usually do at present on their own initiative, namely, giving the public all important information available, might be established as their duty, either by carefully framed laws, or by the establishment of a moral code sanctioned by public opinion. Matters such as, for instance, the Zinovief letter, could be perhaps controlled by a law which makes it possible to nullify elections won by improper means, and which makes a publisher who neglects his duty to ascertain as well as possible the truth of published information liable for the damage done; in this case, for the expenses of a fresh election. I cannot go into details here, but it is my firm conviction that we could easily overcome the technological difficulties which may stand in the way of achieving such ends as the conduct of election campaigns largely by appeal to reason instead of passion. I do not see why we should not, for instance, standardize the size, type, etc., of the electioneering pamphlets, and eliminate placards. (This need not endanger freedom, just as reasonable limitations imposed upon those who plead before a court of justice protect freedom rather than endanger it.) The present methods of propaganda are an insult to the public as well as to the candidate. Propaganda of the kind which may be good enough for selling soap should not be used in matters of such consequence. [ch. 17, n27]

The theory of unchecked sovereignty

It is my conviction that by expressing the problem of politics in the form ‘Who should rule?’ or ‘Whose will should be supreme?’, etc., Plato created a lasting confusion in political philosophy. It is indeed analogous to the confusion he created in the field of moral philosophy by his identification, discussed in the last chapter, of collectivism and altruism. It is clear that once the question ‘Who should rule?’ is asked, it is hard to avoid some such reply as ‘the best’ or ‘the wisest’ or ‘the born ruler’ or ‘he who masters the art of ruling’ (or, perhaps, ‘The General Will’ or ‘The Master Race’ or ‘The Industrial Workers’ or ‘The People’). But such a reply, convincing as it may sound—for who would advocate the rule of ‘the worst’ or ‘the greatest fool’ or ‘the born slave’?—is, as I shall try to show, quite useless.

First of all, such a reply is liable to persuade us that some fundamental problem of political theory has been solved. But if we approach political theory from a different angle, then we find that far from solving any fundamental problems, we have merely skipped over them, by assuming that the question ‘Who should rule?’ is fundamental. For even those who share this assumption of Plato’s admit that political rulers are not always sufficiently ‘good’ or ‘wise’ (we need not worry about the precise meaning of these terms), and that it is not at all easy to get a government on whose goodness and wisdom one can implicitly rely. If that is granted, then we must ask whether political thought should not face from the beginning the possibility of bad government; whether we should not prepare for the worst leaders, and hope for the best. But this leads to a new approach to the problem of politics, for it forces us to replace the question: Who should rule? by the new question: How can we so organize political institutions that bad or incompetent rulers can be pre­vented from doing too much damage?

Those who believe that the older question is fundamental, tacitly assume that political power is ‘essentially’ unchecked. They assume that someone has the power—either an individual or a collective body, such as a class. And they assume that he who has the power can, very nearly, do what he wills, and especially that he can strengthen his power, and thereby approximate it further to an unlimited or unchecked power. They assume that political power is, essentially, sovereign. If this assumption is made, then, indeed, the question ‘Who is to be the sovereign?’ is the only important question left. [ch. 7, 132-3]

What democracies?

Unter welche Kategorien der Vernunft, möchte ich fragen, fallen der Irakkrieg, die Börsenspekulationen in den USA und Europa oder Große Koalitionen in Deutschland und Österreich, die dem Wähler von demokratischen Parteien unter­geschoben werden, die sich vor der Wahl bis aufs Messer bekämpften? Ich möchte hier gar nicht behaupten, dass es einfache Lösungen für diese politischen Probleme gebe, sondern nur daran erinnern, dass Popper „die Anwendung der Vernunft auf die Fragen der Politik“ eingefordert hat. [251]

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