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Critical rationalism in an open society

Das Konzept der offenen (statt einer geschlossenen) Gesellschaft ist freiheitsorientiert und wird im wesentlichen “negativ” (ausgrenzend) definiert, d.h. als Freiheit von Zwang und Unterdrückung durch andere, weniger “positiv” bestimmt, d.h. nicht inhaltlich vorab definiert. Freiheit kann insofern “nicht durch einen Souverän garantiert werden, sondern nur durch eine Pluralität von Institutionen, Konventionen, Regeln und Gesetzen, die immer von neuem auf ihre Funktion der größtmöglichen individuellen Freiheitssicherung überdacht werden müssen.”* Mit der Idee des politisch-weltanschaulichen Pluralismus und der Idee der friedlichen politischen Konkurrenz sind im kritischen Rationalismus zwei weitere wesentliche Ideen des Konzepts der offenen Gesellschaft eng verbunden, und zwar “die Idee der insti­tutionalisierten öffentlichen Kritik und die Idee der politischen Konfliktregelung durch kritisch-rationale Diskussion. Die Idee der Kritik bzw. des kritisch-rationalen Problemlösungsverhaltens (im Gegensatz zum dogmatischen Rechtferti­gungsdenken) bildet nicht nur das Fundament der Erkenntnis- und Wissenschaftslehre des Kritischen Rationalismus, sondern ist auch für dessen Vernunftverständnis konstitutiv. Kritisch-rationales Problemlösungs­verhalten wird dabei immer in einem doppelten Sinne verstanden: als Bemühen um ehrliche Selbstkritik und Bereitschaft zu öffent­licher Kritik. Wie groß die Bedeutung ist, die dabei dem Moment der Öffentlichkeit eingeräumt wird, zeigt der Umstand, daß für Popper wissenschaftliche Objektivität nicht durch noch so bemühte Selbstkritik, sondern immer erst durch vielseitige öffentliche Kritik und Infragestellung von Hypothesen und Erkenntnisansprüchen zustande kommen kann. Nur in öffent­licher Auseinandersetzung mit kritischen Einwänden und Alternativhypothesen vermag sich eine wissen­schaftliche Hypothese zu bewähren und, solange sie nicht widerlegt ist, den Status von wissenschaftlicher Objektivität zu erlangen.”* [3]

* Salamun, Kurt: “Kritischer Rationalismus”. [Karl Ballestrem (ed.): Politische Philosophie des 20. Jahrhunderts. Oldenbourg: 1990.]

Science’s social framework

Science is a special kind of endeavour. Philosophers have been seeking to specify in what ways it is special for almost four hundred years (at least since Francis Bacon). Karl Popper is known for his attempt to characterise it negatively, as refutable conjectures about the world. But this is not the sum of what he said. What is and is not refutable requires discussion, which is a social process; if conjectures about the world are to be refuted a social framework is needed for their testing. Popper’s negative method requires institutions and traditions. [9]